Hören Sie auf, Ihre Systeme zu kontrollieren – beginnen Sie, diese zu steuern

23.1.2020 / von Esko Hannula

Jede anständige Führungskraft will kritische Situationen unter Kontrolle haben. Aber unsere Informationssysteme und insbesondere ihre Interdependenzen sind längst über die gängigen Management-Methoden hinausgewachsen.

Die Suche nach vollständiger Kontrolle ist daher eine Illusion geworden. Setzen Sie stattdessen lieber auf Steuerung. Das Prinzip der Steuerung ist einfach, aber nicht immer einfach auszuführen:

  • Definieren Sie Ihre kritischen Geschäftsprozesse.
  • Identifizieren Sie Ihre Kernsysteme.
  • Erkennen Sie deren kritischen Abhängigkeiten.
  • Frieren Sie ein, was Sie können.
  • Fokussieren Sie das Testens auf kritische Integrationen.

Da Sie noch im Geschäft sind, wissen Sie sicher, was Ihre kritischen Geschäftsprozesse sind und wie Ihre Informationssysteme dazu beitragen. Sie haben sicher eine Vielzahl von Anwendungen und Systemen, aber nur eine Handvoll davon sind wirklich Kernsysteme. Ein Kernsystem ist durch eines oder mehrere der folgenden Merkmale gekennzeichnet:

  1. Es ist betriebsnotwendig für einen kritischen oder zentralen Prozess. Fertigungssysteme (MES) erfüllen typischerweise dieses Kriterium.
  2. Es enthält große Mengen an kritischen Geschäftsdaten. ERP- und CRM-Systeme erfüllen typischerweise dieses Kriterium.
  3. Es wird von einer großen Anzahl von Menschen aktiv genutzt. Bürosysteme, Auftragsbearbeitungssysteme, Helpdesk-Systeme und Selbstbedienungsportale können dieses Kriterium erfüllen.
  4. Es dient als Integrationszentrale in der Unternehmensarchitektur.

Das vierte Kriterium ist hier besonders interessant. Einige Unternehmen haben alles rund um SAP aufgebaut. Einige haben vielleicht einen "versteckten Integrationsknotenpunkt" in einem sehr alten Informationssystem, auf dessen Datenbank sich alle anderen verlassen. Andere haben vielleicht einen eigenen Integrationsbus, auf dem alles andere aufbaut.

Da Software immateriell ist, kann eine faktenbasierte analytische Diskussion darüber schwierig sein. Die Grenzen von Kernsystemen sind manchmal schwer zu ziehen. Zum Beispiel neigt der Name der Benutzeroberfläche dazu, zum alltäglichen Namen für alles zu werden, was über diese Benutzeroberfläche aufgerufen wird - auch wenn diese Oberfläche nur eine dünne Hülle um riesige Informationssysteme herum ist.

Probleme mit Informationssystemen werden häufiger durch Abhängigkeiten und Integrationen zwischen Systemen verursacht als durch ein einzelnes System allein. Da sich das Unternehmen mit Lichtgeschwindigkeit bewegt, muss sich das digitale Rückgrat fast ebenso schnell entwickeln. Daher gibt es eine Reihe von nicht immer so vorhersehbaren System-Updates, die ständig im Gange sind. Das Problem ist, dass diejenigen, die ein System aktualisieren, sich selten um die anderen Systeme kümmern, mit denen es integriert ist.

Sobald Sie die kritischen Abhängigkeiten Ihrer Kernsysteme kennen, werden Sie in der Lage sein, für diese eine strengere Kontrolle und Qualitätssicherung auszuüben und allen anderen Systemen mehr Entwicklungsfreiheit zu lassen. In der Praxis bedeutet dies weniger Änderungen in Kernsystemen und kritischen Abhängigkeiten, eine gründlichere Analyse der Auswirkungen dieser Änderungen und eine gründlichere Qualitätssicherung, bevor die Änderungen in Kraft treten. Mit Sicherheit wird es immer noch Probleme und wütende Anwender geben. Aber zumindest Ihre kritischen Geschäftsabläufe werden weniger anfällig sein.


Den Rest der Blog-Serie finden Sie hier:

  1. Hören Sie auf, Ihre Systeme zu kontrollieren – und beginnen Sie, diese zu steuern
  2. Investieren Sie in Produkte, nicht Projekte – und machen Sie Ihre Organisation effektiv
  3. Setzen Sie auf DevOps – und lassen Sie sich nicht entmutigen
  4. Testen Sie – immer dann, wenn es Ihnen am meisten bringt
  5. Automatisieren Sie so viel wie möglich – aber keinen schlechten Prozess
  6. Messen Sie - aber mit Köpfchen



 

Esko Hannula

Geschrieben von Esko Hannula